Heinkel goes dental

Nie hätte ich gedacht, dass ein derartiges "Folterinstrument" aus der Dental-Szene innerhalb meiner Schrauberei mir nützliches Werkzeug sein könnte.

Die Geschichte geht so:

In den Gesprächen, z. B. auf den Loreleytreffen, wurde mir klar, dass nicht nur ich mit der bisherigen Art des "Auskratzens" des Kollektors unserer Lima-Rotoren unzufrieden war und man allgemein nach einer etwas effizienteren Art und Weise dieser Arbeit suchte.

Ich selber hatte bisher mittels einer entsprechend angeschliffenen Stahlklinge und unter großem zeitlichen Aufwand sowie gut geputzter Brille die Zwischenräume der Kupferlamellen pingelig freigekratzt.

Heinkel dental_2

Nun existieren auch Rotoren, deren Isoliernuten-Material bereits tiefer als die Kupferlamellen liegen. Hier reicht ein leichtes Durchziehen mit hakenartig angeschliffener Klinge und nachfolgendem Auswaschen und Ausblasen, um Bürstenabrieb und mögliche Kupferpartikel heraus zu befördern.

Ein Kollektor nach dem Abdrehen zeigt meist die gleiche Höhe von Zwischenisolierung und den Kupferlamellen. (Die Cu-Lamellen besitzen eine Originaldicke von nur ca. 3 mm)

Hier bestünde die Gefahr, dass nach einer gewissen Betriebszeit und dem "Einlaufen" der Cu-Oberfläche die Lamellen Zwischenisolierung den Kohlebürstenandruck auf die Lauffläche reduziert oder unterbindet, den Stromfluss also stört.

Das Material der Zwischenisolierung, es ist das Mineral Glimmer, ist, wenn vorstehend, auch ein Garant für zügigen Bürstenverschleiss.

Als Lösung dieses Werkzeug-Problems geisterte länger schon der Plan einer selbstgebauten Mini-Tauchsäge im Kopf herum.

Aber es war ja auch nicht nur der begrenzte Bewegungsspielraum im Rotor, sondern die nötigen Sägeblätter mussten einen Radius von etwa 7 bis 8 mm mitbringen.

 "...Ne nee, sowas gibt’s doch gar nicht, kratz mal schön mit Hand weiter..." meinte der kleine rote Kollege mit dem einen Pferdehuf, dem Dreizack in der Hand und zwei Hörnlis am Kopf.

Tatsächlich stieß ich dann, fast zufällig, auf Diamantsägeblätter mit 13 mm Durchmesser und ca. 0,2 mm Stärke.

Die unten gezeigten gezahnten Blätter mit 18 mm Durchmesser sind für den besagten Zweck auch noch anwendbar.

Heinkel dental_1

Ein Routinebesuch bei meinem Zahnarzt ließ dann endgültig die Lampe angehen: vor mir sah ich eine ganze Reihe dieser sog. Handstücke mit Winkelaufsätzen. Wie schrecklich!

Diese waren zwar luftgetriebene, aber auch elektrisch, bürstenlos, angetrieben waren sie zu haben. Also: "Auch haben"…!

Etwas Fummelei an der Sägeblattaufnahme, dem sog. Mandrell, dann konnte sich das Blatt mit regelbarer Drehzahl von sehr langsam bis sehr schnell an die Glimmer-Zwischenisolierung machen.

Die Breite der Isolierung ist grösser als die Dicke des Diamantblattes. Es lässt sich hiermit aber leicht an die Seiten der Cu-Lamellen heranarbeiten.

Aus reiner Neugier versuchte ich ein VA-Sägeblatt aus der Dremel-Serie.

Es war im Nu stumpf, bzw. die Zähne kaum mehr sichtbar.

VORSICHT ist jedoch geboten !

Es ist ein solch angenehmes und flottes Arbeiten, dass man schnell eine zu tiefe Nut bekommt.

 („…3 mal gesägt und immer noch zu tief!“)

Die Sägetiefe sollte max. 1 mm betragen, so dass die Nut im Betrieb nur wenig Bürstenstaub aufnimmt. Dieser Staub, generell eine Mischung aus Sonderbronze und Graphit, ermöglicht an Ablagerungsstellen gerne kleine elektrische Brücken und damit unerwünschte Kriechströme.

An SIBA-Rotoren konnte ich feststellen, dass viele Isoliernuten unnötig tief reichten. Es ließ sich immer eine Menge schwarzes Material herauskratzen.

Möglicherweise hatten auf dem Grund bereits Kriechströme gewerkelt und über die Jahrzehnte Teile der Glimmerisolation atomisiert.

Die Niederohmigkeit der Wicklung verunmöglicht leider entsprechende elektrische Messungen dazu.

Gemeint ist hier der "Lamellenschluss", welcher sich leider auch trotz der rel. kleinen Spannungen bilden kann.

Bei diesen Sägearbeiten sollte ein gute Staubmaske,  …ja-noch eine…, getragen werden. Glimmer ist ein Mineral und als Feinstaub ist es unseren Atemwegen überhaupt nicht zuträglich.

Dass nach Säge- oder Kratzarbeiten am Kollektor die Kupferoberfläche immer sehr gut poliert werden muss, gilt als bekannt.

"Lohnsägerei" will ich hier nicht anbieten. Sollte aber jemand Bedarf am Aussägen des Kollektors haben, einfach bei mir melden.

Und nun hoffe ich auf wärmeres Wetter und ein paar, oder gerne mehr, Runden mit "HEINI" oder auch meiner "LUZI".

 

                   Klaus (3072)