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Was hat menschliche Faulheit mit "Kerzengewinde" zu tun?

Man sagt, sie, die Faulheit soll der Grund zur Erfindung des Rades gewesen sein. Aber wer will oder kann das so genau schon wissen.

Nun empfand ich es immer schon recht aufwändig, für das Einsetzen einer Reparaturbuchse / Kerzengewinde den Zyl.-Kopf demontieren zu müssen. Auspuff, Vergaser, Tank, Luftleitbleche usw "müssen ab" und vor allem auch die vier M.8 Muttern mit den Spezial U-Scheiben der Zuganker für die Kopfbefestigung. Ist hier bislang "alles-ganz-dicht", möchte man gerne die Finger davon lassen.

Nach Einbau der Rep.-Buchse dann auch alles wieder zusammenbauen; ein ziemlicher Zeitaufwand. Heinkelfreund Peter -moin.moin- erzählte mir, er habe schon einmal eine Rep.-Buchse am montierten Kopf eingebaut, einfach so.

Naja, der Roller läuft noch; aber was richten die Aluspäne an, welche trotz aller Vorsichtsmassnahmen in den Brennraum gelangen? Ein Kurzschluss zwischen den Kerzenelektroden ist noch das geringste Übel. Späne, welche sich auf der Ventilsitzfläche breithämmern lassen und möglicherweise dort haften bleiben, sind schon keine geringe Übel mehr. Da sich die komprimierten oder verbrennenden Gase sehr gerne auch am Kolben/Kolbenring vorbeischleichen und bei dieser Gelegenheit ein paar Späne mit auf die Reise nehmen, welche in diesem Bereich Unheil anrichten können, ist eine nicht minder böse Geschichte. Natürlich kann auch alles gut gehen!

Mein "ZOMBIE" 103.A2 verlangte vor kurzem nach einem neuen Kerzengewinde. Da ich eine recht enge Beziehung zur allgem. Technik pflege und inzwischen auch schon mal mit ihr rede (Dagmar meint, das hinge mit meinem Alter zusammen…) sprach mich vor Kurzem ein bei mir herumlungerndes Gebläse, genauer: ein Seitenkanalverdichter, schräg von der Seite an.

Werkstatt 2016 Kerzengewinde_1

Das Gebläse meinte, (-dessen Ansaugfilter ist gut zu erkennen, er verhindert, dass irgendwelche Schweinereien, ausser Luft eben, in den Brennraum gelangen-) es könne mit seiner Hilfe gelingen, die beim Gewindeschneiden anfallenden Späne aus dem Brennraum herauszuhalten. Wir müssten ihnen per Luftdruck ‚von innen’ einen Gratisflug nach aussen in Richtung Beinschild anbieten. Wer oder was könne schon einer "Gratis-Leistung", einem Gratis-Flug widerstehen. Gesagt – getan!

Der Druckschlauch des Gebläses wird also per Adapter auf den Ansaugkrümmer gesteckt,

Werkstatt 2016 Kerzengewinde_2

der Zündschlüssel weit weg gelegt, bzw. der Batt.-Minus abgeklemmt. Das mitangeschlossene Druckmessgerät zeigte ~150mbar bei geschlossenem und ~ 100mbar bei voll geöffnetem Einlassventil und offenem Kerzenloch. Es fällt rel. leicht, die maximale Luftaustrittsmenge am Kerzenloch akustisch zu erlauschen oder auch von Hand zu erfühlen. In dieser Stellung befindet sich der Kolbenboden auch weit genug "unten", sodass eine Kollosion‚ Kolben/ Gew.Schneidwerkzeug’ ausgeschlossen werden kann.

Da in aller Regel noch geringe Reste des M.14x1,25 Gewindes im Kerzenloch verblieben sind, ist es auch ein Leichtes, mit dem Spezial-Werkzeug und etwas Gefühl hier anzusetzen und somit den Winkel zum Kopf einzuhalten.

Werkstatt 2016 Kerzengewinde_3

Bereits zu Beginn des Schneidens fliegen die Aluspäne -gratis- in Richtung Lenker/Beinschild. Eine wahre Freude, deren Flugbahnen zu verfolgen.

Nach Beendigung des Gewindeschneidens und auch noch während des Herausnehmens des Werkzeugs wird mit Pressluft der äussere Bereich um das Kerzenloch freigeblasen. Diese Späne bekommen einen Gratisflug in Richtung Auspuffseite. Auf der Steuerbordseite hätte der Dynastart etwas gegen Metallspäne einzuwenden.

Der im Werkzeugsatz enthaltene Flachfräser wird dann, -das Gebläse läuft weiter-, die Dichtfläche für die Kerzendichtung sowie die kleine Senkung für den Buchsenrand ganz hervorragend herstellen.

Werkstatt 2016 Kerzengewinde_4

Auch nun säubert Arbeitsluft die Umgebung vor der Herausnahme des Werkzeugs von den Spänen. 

Die "Würth"-Spezialbuchse, Stahl verkupfert, wird nun als Abschluss mit dem eingeölten Eindreh-/Aufweitewerkzeug eingedreht, aufgeweitet und sitzt.

Werkstatt 2016 Kerzengewinde_5

Im Übrigen wird der "Beipackzettel" des Würth-Rep.-Satzes gut beachtet. Wir alle lesen doch die Bedienungsanleitung als Erstes vor Inbetriebnahme, oder etwa nicht?

Zusammenfassung:

Mit dem gut durchdachten Rep.-Satz von ‚Würth’, zusammen mit genügend hohem Luftdruck vom Brennraum her, lässt sich recht einfach und stressfrei ein Kerzengewinde reparieren. Schutzbrille aufsetzen ist zu empfehlen…!

Allerdings sind die Kosten für den Satz als auch für die Buchsen (hier: 11,3mm Länge) nicht eben ein Schnäppchen.

Das oben gezeigte Vorgehen wird sich wohl nicht für das Einsetzen eines Heli-Coil Reparatur-Gewindes eignen. Ok- für das Einsetzen schon; wie aber bekommt man das zuletzt abzubrechende Einschraubende der Spirale aus dem Brennraum heraus?

Mit etwas Glück und einem guten Magneten wäre das evtl. möglich?

Im Falle eines Kerzenwechsels werde ich wie bisher den Motor rel. abkühlen lassen bevor ich selbige herausschraube. Das Glücksgefühl bei Ansicht einer an Ort und Stelle verbliebenen Reparaturbuchse ist nämlich einfach unbeschreiblich.

 Ach ja: das Anzugsmoment unserer Zündkerzen liegt bei 25 bis 30Nm.

Ausserdem werde ich ab Heute bei jedem ausgebauten Zyl.-Kopf das noch vorhandene, jedoch über 50 Jahre alte, Originalgewinde von seinen Qualen erlösen und eine der o.g. Buchsen montieren.

DAS, so grinste mich mein Gebläse später im Keller schräg von unten an, hätte es mir ja eigentlich auch nur vermitteln wollen.

Immer kräftige Funken und ein gutes Kerzengewinde unterm Hintern, wünscht Klaus. (HCD-3072)

(Danke Gundolf für Deinen Hinweis…)

 

 

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