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Eine Südeuropa-Rundreise mit einem 103.A1 im Jahre 1967

Der August beherrscht das Land mit anhaltender Hitze. Russland will in diesem Jahr eine Raumsonde auf der Venus absetzen, es klappt beim dritten Versuch. Willy Brandt schaltet in einer Feierstunde in Berlin symbolisch das langerwartete Farb-Fernsehen für Deutschland ein. In Schweden wird der Rechtsverkehr eingeführt. Dr. Christiaan Barnard führt die erste erfolgreiche Herztransplantation an einem Menschen durch. Der Benzinpreis in diesem Jahr liegt bei DM 0,60 pro Liter ‚Normal’.


„Froh schlägt das Herz im Reisekittel, vorausgesetzt, man hat die Mittel.“ (Wilhelm Busch)

Wir, mein Schulfreund Michael und ich, fühlen uns beengt und wollen ’raus in die Welt’. Die späten 60er Jahre haben für uns etwas Unangenehmes, noch nicht wirklich Erklärbares, an sich. 

Wie wir dann sechs Wochen Zeit und das nötige Kleingeld zusammenbekommen haben, kann ich nicht mehr sagen. Unser Roller, ein 103.A1, war jedenfalls zur Abreise schwerst bepackt.

Gut, daß Micha’s und mein Lebendgewicht jeweils unter 70kg lagen...

Nach Querung der Elbbrücken in Hamburg hatten wir später unsere erste Übernachtung bei Mannheim irgendwo am Rande eines Ackers. Beim ersten Blinzeln am frühen Morgen dann erkannten wir eine fleißige Mannschaft bei der Zwiebel- oder Lauch- oder Porree-Ernte, ganz in unserer Nähe. Herrlich lecker Duft; bei uns gab’s leider nur Knäckebrot.

Drei Bilder nun aus der Nähe Lörrach:

Hist Heinkel Reise 1967_1 Die ersten Postkarten nach Hause werden geschrieben…
Hist Heinkel Reise 1967_2 Rast an der A5, ‚Fischergrund’, kurz vor der Schweiz.
Hist Heinkel Reise 1967_3 Bei Lörrach, morgendliche Abfahrt in Richtung Basel.

Diese Reise führte ebenfalls über die Schweiz, der kostensparende Besuch beim Bruder in Altdorf  im Kanton Uri – er lebte und arbeitete dort – wurde von uns sehr ausgiebig genutzt und lecker schwyzerisch war’s auch! Dank ihm bekamen wir einige für uns völlig neue und wertvolle Einblicke, die unter üblichen touristischen Voraussetzungen nicht möglich gewesen wären. Danke- Bruder. Danke auch der überaus freundlichen Familie Hauger.

Bereits die (alte) Axenstrasse am Vierwaldstättersee, hier befindet sich die Tellsplatte und Tellskapelle, war schon eine besonders schöne Erfahrung für uns Flachlandtiroler und unsere entsprechenden Fahrkünste.

Diverse umliegende Pässe –wie Grimsel, Susten usw.- haben wir einfach so aus Spaß an der Freude befahren, sie forderten uns einiges mehr heraus.

Hier Rast am Klausenpass:

Hist Heinkel Reise 1967_4 Klausenpass, Schnee im Sommer…, Micha und unser Roller.Wir beide in Sicherheitsklamotten nach DIN-Norm-4711.

Später, etwas südlich des St.Gotthard-Passes (Tremola) mit seiner reizvollen gepflasterten Strecke und den traumhaften Serpentinen, fallen wir abends mit dem BW-Schlafsack müde, aber zufrieden, irgendwo ins hohe Gras. Abertausende Zikaden sägen uns in den Schlaf!

Das Tessin war hier tatsächlich schon zu erahnen und die wunderbar sanfte Luft und das weiche Licht gaben uns einen Vorgeschmack auf den Süden. Den Roller hatten wir in Sicht- und Hörweite abgestellt. Morgens stank es allerliebst nach Benzin.

Nachlässigkeit oder einfach Müdigkeit hatte uns versäumen lassen, den Sprithahn zu  schließen. Aber nicht das Schwimmerventil war undicht - der Schwimmer selber war gerissen und abgesoffen. Damals fuhren wir Gottseidank noch einen 5 ltr Reservekanister mit spazieren. (& meist auch voll...)

Es mag seltsam klingen, aber...zu unserem Bordwerkzeug gehörte ein kleiner 30W Lötkolben incl. Zinn,, gedacht für 220V~. Dieser war uns während unserer jahrelangen el. Basteleien quasi an die Hand gewachsen. Tja- in dieser ‚Wildnis’ hätten wir keine Steckdose gefunden. Um es noch gruseliger zu machen: es begleitete uns ein kompakter 50W Einanker-Umformer, ganz unten im Werkzeugfach. Den hatte ich für DM 20,- dem Meister Helmut, Elektromaschinenbau am Hafen in Eckernförde, abgeschnackt.

Der Umformer konnte aus 12V= richtige 220V Sinusform zaubern. Frequenzstabilität ? Naja, so um die 30 bis 65 Hz, je nach Belastung und Batteriezustand…! An rein elektronische Wechselrichter war in jener Zeit nicht zu denken. Irgendwie haben es unsere Batterien immer geschafft, dieses Ding anzutreiben. Dieser Spaß stellte die elektrische Versorgung für unseren Rasierer dar. So konnten wir uns regelmäßig wieder schön machen. Heute frag ich mich: ‚Wieso eigentlich meinte man, sich rasieren zu müssen?’. (Na gut: …ist ja verjährt, also - wir hatten unser selbstgepfriemeltes Funk-Zeugs dabei für Betrieb auf 107MHz FM; dieser Teil des 3m Bandes war seinerzeit noch ‚wüst und leer’. Wir haben also unterwegs auch an diesen Dingen gelötet und gespielt und gelernt…)

Der Messing-Schwimmer konnte somit zugelötet werden, nicht ohne dass wir zuvor das komplette Benzin herausgekitzelt hatten. Die gesamte Reise hat das liebe Schwimmerlein dann freundlicherweise durchgehalten.

Weiter durch das herrliche Tessin, traumhaft warm und sonnig, konnten vom Anblick der schönen südlichen Architektur sowie der für die uns schon exotisch erscheinenden Flora gar nicht genug bekommen, die harmonischen Farben bewundert, bei Chiasso das Tessin verlassen, Mailand als kleines Verkehrschaos in Erinnerung behalten, über die Autostrada den fast ausgetrockneten Fluss ‚Po’, früher ‚Padus’ genannt, gequert, dann aus dem Ligurischen Appenin-Gebirge die ersten Blicke auf das leicht dunstige Mittelmeer, unser Traum, fast greifbar!

Dann bei Genua, die ersten richtigen Palmen zum Anfassen…. In Como, Lugano usw. hatten wir sie nur ansehen können.

Hist Heinkel Reise 1967_5  ECHTE Palmen, Wahnsinn...      

Warmes Meerwasser und unbegrenzt schnorcheln können, das war einer unserer vielen Träume.

Wir hatten all unser Schnorchel-Zeugs dabei, incl. der Flossen. In der Nähe von Noli - wir waren einfach dem Hinweisschild ‚Savona’ gefolgt - gönnten wir uns an einer ‚wilden’ Strandbucht ein paar Tage Aufenthalt, haben die Unterwasserwelt begrüsst, sie mochte uns, wir mochten sie.

15m Tauchtiefe schafften wir locker, nicht ohne noch etwas Zeit zu haben über den Grund zu schnüffeln und die kleinen Tintenfische zu ärgern, damit sie uns ihre blauschwarzen Wolken zeigten. Gut hörbares Knistern verriet uns, dass ganz in der Nähe die langstacheligen schwarzen See-Igel ihre Beute verdauten. Abstand halten war angesagt. Ein abgebrochener Stachel in der Fußsohle ist kein Spaß. Gegessen haben wir die Oktopusse dann aber nicht, auch nicht gebraten.

Versucht, Chianti im 28°C warmen Meerwasser zu kühlen, schmeckte grausig!  Spätabends regelmäßig zum Spaghetti-con-Carne Essen nach Noli gerollert. Ein günstiger vino rosso war auch dabei, certo! Von Ernährungsneurosen hatten wir, wie auch viele Andere, noch nichts gehört.

Mit einsetzender Dämmerung ließen sich mit  unserem ‚7-Transistor Radio’ auf Mittelwelle erstmals arabische Klänge empfangen, wie herrlich exotisch uns das vorkam…;

Hist Heinkel Reise 1967_6 Unser’ Noli-Joe’- einarmig und regelmäßig am Ufer entlang schreitend.

Dann weiter, immer weiter die Küstenstraße entlang, einfach herrlich! Leckere, zuckersüße Weintrauben und Aprikosen und Pfirsiche ‚gefunden’ - wenn niemand in der Nähe war -  und viel zu wenig getrunken, das weiß ich heute. Wir wussten aber schon, was ‚Birra’ oder ‚Cerveza’ ist, wenngleich unsere Finanzlage nicht all zu viel davon zuließ.

An der Grenze Italien/Frankreich - Ponte San Ludovici - artig unseren Reisepass vorgezeigt und uns über den schönen Stempel gefreut. Monaco selbst war dann nicht wirklich unsere Welt.

In Nizza & St.Remo diverse Stopps eingelegt, die Boote in den Häfen bestaunt, aber auch die auf der Promenade Flanierenden. Derartige Bilder waren uns bisher nur aus Filmen bekannt. 
Bei Portbou Einreise in Spanien, wieder einen Stempel in den Pass bekommen und beim ersten ‚Cambio’ viele D-Mark in Peseten getauscht. Kopfrechnen war gefordert und bei diesen Aktionen auch sehr angesagt.

In Barcelona die Innenstadt, in Alicante das Castell de la Santa Barbara besucht. Weiter, weiter!

Die Alhambra soll hier irgendwo sein? Also dann - in der Nähe von Motril spontan bergauf auf sog. Nebenstraßen hinein in die wüste Sierra-Nevada und mit einigem Erschrecken entdeckt, wie karg und einfach hier noch gelebt wird. Entdeckten in der Einöde und Bruthitze dieser Berge bald aber auch einen sehr knappen Ölstand unseres Heinkel-Motors.

Unser mitgeführtes Öl war inzwischen verbraucht, bzw. unsere Ölsardine hatte es unter sich gelassen.

Was nun? In dieser großen Not und derart außerhalb der sog. Zivilisation konnten wir uns nicht anders behelfen, als von einem äußerst gelangweilt herumstehenden Kleinbagger etwas Hydrauliköl ‚auszuleihen’. Als Strafe für diese Untat verfolgte uns noch tagelang eine helle Rauchfahne. Der Motor lief aber!

Die Alhambra haben wir dann nicht besucht, wollten unser Fahrzeug und uns nicht noch mehr quälen. Auch fingen wir an, unser Restgeld zu zählen. Wir schienen, ziemlich widerwillig zwar, in der ‚Realität’ anzukommen... .

In der Nähe des Ortes Estepona bei Algeciras bei uns beiden dann ‚Montezumas Rache’; das hatten wir uns vermutlich wohl auch verdient!.

Hier der Original-Aufkleber, 1969 eben noch vor dem Verschrotten des Rollers gerettet:

Hist Heinkel Reise 1967_7

 

Wir packten uns für drei Tage am Strand in den Schatten eines großen Baumes, dösten vor uns hin, sprangen auf, bewegten uns ein paar Schritte zur Leeseite in die Nähe der Büsche und dösten dann wieder usw usw usw und bewunderten die brombeerartigen Früchte des Baumes über uns. ‚Essen oder nicht essen’ war hier die Frage.

Nett auch die vielen kleinen Süßwasser-Schildkröten, welche uns als willkommene Abwechslung  in sprichwörtlicher Augenhöhe besuchten. In deren Lebensraum, einem kleinen trägen Bächlein, versuchten wir uns mit Zeugwäsche.

Der Schattenbaum gab dann einen tollen Trockenständer her. Kleine dünne Schlangen ließen sich blicken und schauten nach dem Rechten. Wir vertrauten einfach darauf, dass auch sie des Nachts schlafen müssen..! Ja, der Begriff ‚Vertrauen’ war überhaupt die Basis für unser gemeinsames Tun dieser Tage.

Die Besänftigung der ‚Rache’ verlangte drei Tage. In dieser Zeit torkelte abwechselnd einer von uns mit dem Roller zum nächsten Ort, um Milch und Milchreis einzukaufen. Auf unserem Benzinkocher, dieser explodierte gegen Ende der Reise, bereiteten wir uns dann täglich Milchreis zu, mit zähflüssiger und sehr süßer Kondensmilch & Seewasser, ohne jegliche Luxus-Zugabe.

Wir ahnten damals nicht, dass echte Klärwerke hier noch kaum existierten, hatten aber volles und pauschales Vertrauen in das ‚alles heilende’ Seewasser.

Interessanterweise steckten in unserem Gepäck reichlich Kohletabletten welche uns in dieser bescheidenden Lage offenbar gute Dienste taten. Dass sie zum Abenteuer dazugehören, müssen wir wohl in irgendwelchen entsprechenden Büchern gelesen haben. 

Wir waren nicht unbemerkt geblieben, befanden uns doch auch noch in der Regierungszeit General-Francos. Wie aus dem Nichts erschien plötzlich ein hartbehuteter ‚Guardia-Civil’, trotz der Affenhitze in voller Montur. Ernste Mine, ernst betonte Worte, ernste Haltung, und bewaffnet! Wir verstanden und kapierten nichts!

Hist Heinkel Reise 1967_8 Guardia Civil in Montur, nur ein Beispielbild; unser ‚Echter’ lächelte nicht.

 

Da er aber sehr ausdauernd und immer unruhiger werdend auf unsere Fahrtenmesser zeigte, wir hatten jeder eines am Gürtel, ließen wir diese flott im Gepäck verschwinden.

Wir zwei halbnackte Heringe überzeugten ihn dann offenbar von unserer Ungefährlichkeit und er verschwand wieder so lautlos im Gestrüpp, wie er gekommen war. Einen Cafecito haben wir ihm nicht anbieten können. Wir hatten auch keinen.

Unsere wenigen hellen Momente dieser drei Tage nutzten wir auch, um uns die Motor-Ventile einmal anzusehen. Irgendwie erschien uns seit Tagen die Leistung des Motors nicht so überragend dolle.

Mit unseren mageren Bordmitteln alles fein zerlegt, die Finger kaputt gemacht mit dem Rauspulen der Klemmhälften unter dem Federdruck, -…und wir freuten uns: die Ventile sind noch da, der Kolben auch, die V.-Sitze sind noch rund und erkennbar…- die alte und steinharte Kopfdichtung wieder eingebaut, (‚Drehmoment, ist das was zum Essen?), und weiter ging es.

Michael meinte später, wir hätten ziemliches Fieber gehabt. Ja-Nein-Doch-Oh!

Unser Plan war, nach Marokko überzusetzen und evtl. Tanger oder Casablanca zu erreichen. Es war jedoch die Zeit, in der die Regierungen Spaniens und Englands, wieder einmal, wegen des Affenfelsens im Clinch lagen, die Fähren gingen nur sehr unregelmäßig. Außerdem waren erst ein paar Wochen seit dem sog. „6-Tage-Krieg“ vergangen. Der allgemeine Aufruhr hing auch hier noch spürbar in der Luft. Die zeitnächsten Schiffe waren ausgebucht, insbesondere hätten wir zwei Bleichgesichter uns in dieser sehr aggressiven Atmosphäre, diesem Tohuwabohu vor den Ticket-Buden nicht behaupten können. Wallai! Das wurde uns spontan irgendwie sonnenklar und ohne viel Diskussion wurde der, eigentlich traurige, Begriff der ‚Rückreise’ zum ersten Mal zwischen uns ausgesprochen.

Also vorbei am Affenfelsen, vorher noch von der ‚N-340’ bei El Pelayo  einen langen, etwas sehr enttäuschten, Blick auf die im Dunst erkennbare afrikanische Küste geworfen, in ‚Villa Real de Santo Antonio’ wieder einen Stempel in den Pass bekommen, Moneten getauscht, und über Lissabon, die wunderschöne Küstenstraße hochgefahren und viel im flachen Meer gebadet, über Coimbra dann bei ‚Vilar Formoso’ wieder nach Spanien, durch Salamanca – Valladoid- Burgos-  zum ersten UMfaller nach und in San Sebastian.

In einer schmierigen Rechtskurve - links das schöne Meer, die Biscaya, bzw. die Bucht ‚La Concha’,  rechts die Stadt - rutscht uns der Roller unter dem Hintern weg und bleibt auf der linken Straßenseite liegen, nicht ohne das auf dem Trittbrett befindliche Geraffel weiträumigst zu verteilen.

Schnell aufgerappelt, die verteilten Schätze wieder eingesammelt, mit großen Augen am liegenden Roller den auf nur einer Seite völlig blanken HR-Reifen entdeckt, Roller aufgerichtet und weiter ging es.  Oh, wie peinlich. Muss zur heißen Mittagszeit passiert sein, kein Auto oder auch nur Mensch war zu sehen.

Stunden später bei ‚Irun’ einen Stempel Frankreichs in den Pass gedrückt bekommen von für uns ungewohnt freundlichen Grenzpolizisten. Vielleicht haben sie sich aber auch nur über uns amüsiert?

Dann Bordeaux, hier zur Übernachtung einen bewaldeten Hügel hochgefahren, querfeldein, die Kupplung rutscht und stinkt. Es gießt wie aus Kübeln, Zeltplane aufstellen, versuchen das Gepäck trocken zu halten, ein gewaltiges Gewitter lässt uns kaum länger die Augen schließen. Wasser überall. Wir hatten doch nur eine 2-Mann BW-‚Zelt’-Plane, ohne Boden!

Das morgendliche Aufwachen ist ein sehr spezielles, wenn man im fahlen Morgenlicht feststellen muss, dass sich nächtens diverse nun freundlich mit ihren Hörnern winkende fette Nacktschnecken zum Kuscheln IN und auf den BW-Schlafsack verirrt haben. Ööörkss!

Tage vorher hatte der Regler - oder war’s die Lima? - schon gemuckt. Nach etwas ‚Rumfummeln’ ging’s dann wieder so leidlich. Natürlich wurde tagsüber ohne Licht gefahren. Licht kam doch von oben!

Dann über Tours und weiter zum zweiten UMfaller nach Paris. Dieser wurde uns kostenlos von einem Wellblech-Citroen-Bäcker-Lieferwagen zugeteilt. Da er so sehr langsam vor uns durch die Innenstadt zockelte, überholte ich ihn und prompt biegt er links ab. Blinker / Anzeiger / Spiegel? Was ist das denn. Französisch konnten wir noch weniger als Spanisch. Ein Gespräch mit dem Fahrer war somit nicht möglich.

Körpersprachlich war er uns jedenfalls auch hochhaushoch überlegen. Außerdem erstickte sein alkoholgeschwängerter Redeschwall bereits jeden normalen Gedanken in uns. Versicherung? Was ist das denn. Hahaha. Wir hätten auf der Herausgabe von mind. zwei Baguettes bestehen sollen - Schmacht war immer unser Begleiter. Wir bauten die schöne Heinkel-Nase/Haube ab, drückten mit kräftigen Tritten die Beulen heraus und schwupps, drehte das Vorderrad wieder frei.

Wir ließen uns die gute Reiselaune nicht nehmen, wollten keine Kulturbanausen sein und besuchten die Kathedrale ‚Notre Dame’ sowie den Eiffelturm, diesen aber nur bis ‚Halbe Höhe’. Beides sehr beeindruckend! Das diesjährige Feuer an der ‚N.D’ Kathedrale hat mich dann auch entsprechend bewegt.

Waren die Zeiten wirklich soooo viel anders? Oder waren wir sooo sehr naiv? Ich nehme an, beides war der Fall. Während Stunden der Abwesenheit vom Roller hatten wir kaum einen Gedanken an ‚Lang-Fing’ oder ähnliches verschwendet. Auf der gesamten Reise wurde uns nichts entwendet. Sogar in der Stadt Marseille und deren Randgebiete packte niemand etwas auf unser Gepäck oben drauf.

Von Paris ging’s dann durch die Ardennen nach Koblenz, in der JH Ehrenbreitstein übernachtet, und über Glücksstadt - Micha’s Opa besucht und etwas ‚Richtiges’ gegessen - um spätabends endlich Eckernförde zu erreichen.

Tage später waren wir bereits wieder Getriebene dieser denk- und merkwürdigen Zeit.

Ich will diese Gelegenheit nützen, meinem Freund Michael hier endlich ganz öffentlich ‚Danke’ zu sagen für die gemeinsame, gute, sehr dichte und äußerst aktive und lehrreiche Zeit. Dieser Rückblick soll ihm gewidmet sein. Leider hat ihn das sogenannte Glück viel zu früh verlassen.  

Hist Heinkel Reise 1967_9

Diese Skizze ist VOR unserer Reise entstanden, und NEIN, es ist kein Joint; wir wussten gar nicht, das es so etwas überhaupt gab. Dafür kannten wir die Begriffe ‚Schwarzsender’ und ‚Bundespost’ aber sehr gut…! Man beachte die Länge der Antenne; genau lambda/2 x VK-Faktor..! Und JA, die Sonne hat uns manches Mal in die Nähe des Deliriums gebracht. 


Im Rückblick kommen mir unsere großen Reisen fast unglaublich vor, insbesondere, weil wir immer nur mit einer Übersichtskarte fuhren. Wir haben uns quasi von Stadt zu Stadt gehangelt und meist mittels Sonnenstand navigiert.

Der jeweilige Geldumtausch musste durch uns mit echtem Kopfrechnen begleitet werden, be…issen jedoch wurden wir aber so oder so.

Die Stempel der jeweiligen Grenzposten in unseren Pässen werteten wir als selbst erworbene, semi-heilige, Trophäen und nicht als Belästigung oder Behinderung unserer Reise. Spannend war auch das recht oft stattfindende Palaver mit den Grenzern. Sie hatten, ganz klar, immer die ‚besseren Karten’.

Wenn ich so an die heutigen Fahrten denke:

“...in 500 Metern rechts abbiegen, plim plim...“ Fehlt nur noch, dass die Frau Garmin, oder wie sie alle heißen, nach Befolgen des Befehls ein Lob ausspricht oder nach Nichtbefolgen eben einen Tadel rausläßt. Oder einen un- oder anständigen Witz erzählt. „Plim-Plim“.

Kommt alles noch, Freunde. Lasst uns nur den Humor nicht verlieren. Fundbüros sind auch nicht mehr das, was sie einmal waren.

Wie werden  unsere Nachkommen in fünfzig Jahren durch die Lande reisen? Werden sie?

Klaus (HCD-3072)

Hist Heinkel Reise 1967_10

 


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